Gerade im Frühjahr lassen sich die gewöhnliche Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) und der gewöhnliche Gundermann, auch als Gundelrebe bekannt (Glechoma hederacea), nicht immer auf den ersten Blick unterscheiden.
Warum die Verwechslung so häufig passiert
Ihre rundlichen bis herzförmigen Blätter können ähnlich aussehen, und da beide an Wegrändern, in Gärten und lichten Wäldern wachsen, werden sie oft verwechselt. Später im Jahr wird die Unterscheidung allerdings leichter, denn die Blüten der beiden Pflanzen sehen völlig unterschiedlich aus.
Bereits seit zwei Jahren beschäftigt mich der Unterschied dieser beiden Pflanzen im Frühjahr – und dieses Jahr habe ich mir endlich die Zeit genommen, sie genau zu erforschen. Ich habe recherchiert, Fachliteratur durchforstet, Videos angesehen und kann nun mit Sicherheit sagen, dass ich die Knoblauchsrauke und die Gundelrebe zuverlässig unterscheiden kann. In diesem Beitrag habe ich dir diese Informationen zusammengetragen und dokumentiert, also nimm dir kurz etwas Zeit, mach dir einen Tee und lerne heute etwas über diese beiden Wildkräuter dazu.
Übrigens, gleich vorweg: Eine Verwechslung wäre in diesem Fall nicht allzu schlimm, da beide Pflanzen essbar und geschmacklich sehr angenehm sind. Dennoch ist es wichtig, immer genau zu wissen, welche Pflanzen man sammelt.
Knoblauchsrauke im Porträt
Hier stelle ich die gewöhnliche Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) dar, eine alte Gewürzpflanze, welche wie der Name schon vermuten lässt geschmacklich an den Knoblauch erinnert. Sie ist ein typisches Frühlingskraut und schafft so Impulse für das ganze Jahr. Sie darf also nicht fehlen in der Frühlingskräuterbutter, aber auch in Suppen und Salaten.
Erkennungsmerkmale Knoblauchsrauke
– Sie wird zwischen 20-100 cm hoch
– Blätter entspringen einer einzigen dicken, weißen Wurzel
– Sie blüht von April bis in den Juni
– Sie hat einen endständigen Traubigen Blütenstand
– Die Blüten sind rund 1cm groß und typisch Kreuzblütler 4-zählig und leuchtend weiß
– Es entwickeln sich 3-7mm lange, aufrecht stehende Schotenfrüchte, welche mit zunehmender Reife immer bräunlicher werden.
– Ein sehr typisches Erkennungsmerkmal ist der knoblauchähnliche Geruch der Blätter, wenn man sie verreibt.
– Die Blätter sind herz- bis nierenförmig mit gezähntem Blattrand, die unteren Blätter sind lang gestielt, wohin gegen die oberen einen relativ kurzen Stiel haben. Außerdem sehen die Blätter im oberen Bereich im Vergleich spitzer aus als die unteren.
Besonderheit: Erkennung der Knoblauchsrauke im Frühjahr
Blätter
– Eher helleres grün
– Blätter haben eine Vielzahl an fein verwobenen Blattadern
– Blätter riechen Knoblauch ähnlich
– Die Blattunterseite ist heller als die Blattoberseite
Stiel & Wurzel
– Stiele sind wenn die Pflanze frisch auskeimt lila gefärbt
– Stiel ist im unteren Bereich mit flaumiger, schwacher Behaarung
– Alle Blätter entspringen einer einzigen, dicken, weißen Wurzel, diese schmeckt übrigens sehr ähnlich wie Meerrettich
Übrigens: Das ätherische Öl welches in der Knoblauchsrauke enthalten ist, ist dem des herkömmlichen Knoblauchs sehr ähnlich. Du könntest beim Kochen also den Knoblauch durch eine Knoblauchsrauke ersetzen, dabei ersetzt ein großer Zweig etwa eine halbe Zehe Knoblauch. – Probier’s gerne mal aus!
Gundelrebe im Porträt
Der gewöhnliche Gundermann, auch als Gundelrebe bekannt (Glechoma hederacea). Er ist eine alte germanische Zauberpflanze und bewirkt einen Milchzauber für das Vieh. Als eine der ersten grünen Pflanzen im Jahr wirkt sie milchbildend. Eine Sage belegt, dass im Grundermann ein guter Pflanzengeist lebt, der bösen Zauber abhalten soll.
Blühend würde man den Gundermann wegen seiner Blüten niemals mit der Knoblauchsrauke verwechseln.
Erkennungsmerkmale Gundelrebe
– Er wird zwischen 10-40cm hoch
– Der Gundermann bildet ein Rhizom aus, dass heißt er hat ein System aus einer Vielzahl feiner Würzelchen
– Er blüht zwischen April und Juni
– Es bilden sich 2-3 Blüten pro Blattachsel
– Er gehört zu den Lippenblütlern und besitzt eine flachere Oberlippe und eine 3-teilige Unterlippe
– Die Stängel sind liegend, er wächst eher teppichförmig und bildet an den Knoten Wurzeln
– Die blühenden Stängel stehen aufrecht
– Die Stängel sind bei blühenden Pflanzen oft violett eingefärbt
– Die Blätter sind ebenfalls herz- bis nierenförmig mit gekerbten Blattrand. Im Vergleich zur Knoblauchsrauke sind sie etwas runder und etwas glänzender.
Besonderheit: Gundelrebe erkennen im Frühjahr
Blätter
– Die frühen Blätter haben einen grünen Stiel
– Blattrand ist gekerbt
– Blätter sind etwas glänzender und haben weniger feine Blattadern
– Blätter etwas runder als die der Knoblauchsrauke
Stiel und Wurzel
– entspringt aus vielen feinen Würzelchen
– der Gundermann bildet lange Ranken aus, an denen wieder Wurzeln wachsen
– wächst kriechend und kann Teppiche bilden
Knoblauchsrauke vs. Gundelrebe
Grundsätzlich finden wir also beide Pflanzen an schattigen Waldrändern, Gebüschen, Hecken aber auch in Parks und auf Schuttplätzen. Sie besitzen beide herzförmige bis nierenförmige Blätter. Ich habe dir hier noch mal die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale vermerkt:
Knoblauchs-rauke
Gundelrebe/ Gundermann
Wurzel
Die Knoblauchsrauke entspringt einer einzelnen dicken, weißen Wurzel, wohin gegen der Gundermann aus einem Geflecht feiner Würzelchen stammt.
Blätter
Die Blätter der Knoblauchsrauke besitzen feinere und mehr Blattadern sind matt, runzelig und die Blattunterseite ist heller als die Blattoberseite und die Blattränder gezähnt.
Die Blätter des Gundermanns sind etwas runder, etwas glänzender und ihre Blattränder sind gekerbt
Außerdem ist der Geruch ein gutes Unterscheidungsmerkmal der beiden Wildkräuter. Wenn man die Blätter der Knoblauchsrauke zerreibt riecht es nach Knoblauch, die Blätter des Gundermanns riechen eher pfeffrig-minzig.
Ach Ja, du musst nicht immer die ganze Wurzel ausgraben um dir sicher zu sein ob es sich um eine Knoblauchsrauke oder einen Gundermann handelt. Es reicht wenn du nur mal die Blätter etwas zur Seite schiebst und mal etwas nach fühlst.
Verwendung in der Küche und Heilkunde
Knoblauchsrauke
Die Knoblauchsrauke verdankt ihren Namen wohl ihrem Knoblauchähnlichen Geruch und wie dies schon vermuten lässt findet sie vor allem in der Wildkräuter-Küche ihre Anwendung. Man kann beim Kochen eine halbe Zehe Knoblauch mit einem großen Zweig der Knoblauchsrauke ersetzen. Aber auch die Wurzel der Knoblauchsrauke kann kulinarisch eingesetzt werden, denn sie schmeckt sehr ähnlich wie Meerrettich/Kren.
Naturheilkundlich ist überliefert das man Umschläge mit der Knoblauchsrauke anwenden kann bei Insektenstichen die anschwellen aber auch bei Schürf- und Schnittverletzungen.
Gundelrebe
Die Gundelrebe auch bezeichnet als die zart Reinigende. Im Frühjahr ist genau die richtige Zeit, um die junge Gundelrebe zu suchen und zu kosten. Das Kraut schmeckt eher scharf und bitter, wegen der enthaltenen Bitterstoffe. Bitterstoffe wirken ab der ersten Zungenberührung appetitanregend, da sie Magen, Leber, Galle und Bauspeicheldrüse stimulieren. Das gesamte Verdauungssystem wird dazu angeregt um zu Verdauen. Die Gundelrebe hat eine anregende und zugleich ausgleichende Wirkung auf unseren Körper.
Angewendet wird am besten das frische Kraut. Volks heilkundlich gilt sie seit jeher als Reinigungs- und Entschlackungsmittel. Der Name kommt von „Gund“ was so viel wie Eiter heißt und diesen soll die Gundelrebe fernhalten. Aber sie soll auch dabei helfen Schwermetalle aus dem Körper auszuleiten.
Wir können sie anwenden als Öl, als Tee, als Frischsaft aber auch in Kräuterbutter, in Salaten oder in Aufstrichen.
Fazit
Mich wurmt es schon seit über zwei Jahren, da ich so früh im Jahr nie genau gewusst habe wie ich die beiden Pflanzen auseinander kennen kann. Manchmal dauert es einfach ein bisschen bis man sich den wirklich die Zeit nimmt hinsetzt und sich ganz genauer informiert.
Wenn man die wichtigsten Punkte zur Unterscheidung kennt, fällt es einem jedoch nicht mehr ganz so schwer diese beiden Wildkräuter zu unterscheiden. Mir macht es Spaß so früh im Jahr zu sammeln, doch es bringt seine Tücken mit sich. Am „leichtesten“ fällt einem in den meisten Fällen das bestimmten an der Hand der Blüten.
Trotzdem sollte man sich meiner Meinung nach das Sammeln und Erkunden im Frühjahr nicht entgehen lassen, denn so lernt man Wildkräuter und andere Pflanzen besser kennen. Man begleitet die Pflanze so eine ganze Wachstums-Periode.
WICHTIG ist hier nochmals zu erwähnen, dass du nur Pflanzen sammeln solltest, die du zu 100% sicher bestimmen kannst. An einem Beitrag zum Thema „Richtiges sammeln von Wildkräuter und Heilpflanzen arbeite ich zurzeit, sobald dieser erscheint wird er hier verlinkt.
Quellen
Die Kräuter aus meinem Garten*
Skriptum: Vitalakademie-Diplomierte Kräuterpädagogin – Botanische Grundkenntnisse
herbalwhisper
Ich bin Anna – und meistens ziemlich chaotisch. Nach dem ich meine Ausbildung als Diplomierte Kräuterpädagogin im Juli 2024 mit Auszeichnung abgeschlossen habe, habe ich mich dazu entschieden hier bei herbalwhisper mein erlerntes Wissen mit dir zu teilen. Auf meiner Seite findest du Kräuterwisse, Rezept für natürliche Hausmittel, Naturkosmetik und noch vieles mehr. Mehr über mich.
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